Nordlichter.

Polarlichter (Inari)

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Erst ist es nur ein kleines, fahles Band zwischen den Sternen. Dann explodiert der Nachthimmel. Aus dem einen Band werden zwei, dann drei, vier, unzählig. Aus dem fahlen Licht werden Farben, Grün und Rot, klar zeichnen sie sich ab gegen den blauen Nachthimmel. Um uns wird die Landschaft fast taghell vom Mond beleuchtet, der nächste Ort ist zehn, zwölf Kilometer entfernt. Und wir sind mitten drinnen, drunter und ein  Teil davon. Das, genau das, war der Grund warum wir hier hergekommen sind. Nach Finnland. Im Winter.

Flughafen Helsinki

Irgendwann im September letzten Jahres kam uns die Idee dazu, keine Ahnung warum. Man könnte doch mal den nächsten Schritt wagen, von einem einfachen Sommerurlaub hin zu einem Winterurlaub im Expeditionsstil. Einmal quer durch den Norden von Finnland, im tiefsten Lappland. Mit Zelt, Schlitten und den paar Hütten auf dem Weg. Das Ganze auf Schneeschuhen, innerhalb von drei Wochen. Die Voraussetzungen waren eigentlich nur. das es 1.) nördlich des Polarkreises liegen und 2.) bezahlbar sein sollte.

Zelten im Schnee

Bald wurde klar: Das ganze Unterfangen war kein Spaziergang. Je mehr wir uns in das Thema Wintertrekking reingearbeitet haben, desto wahnwitziger erschienen uns unsere Pläne. Tausend Sachen zu bedenken, von Thermoskannen über die Essensmenge bis hin zu Dampfsperren in den Schlafsäcken. Es entstanden lange Exceltabellen mit Bedarfsplanungen, wir haben wochenlangen an unserem Schlitten gebastelt (er musste ja schließlich auch ins Flugzeug passen) und eigentlich wurde immer deutlicher: Uns fehlte jede Erfahrung, es würde irgendwas schiefgehen, das unsere Pläne zunichte machen wird. Aber der Idealismus hat erfolgreich zur Verdrängung dieser Problematik beigeholfen und wir hatten noch den „Sommerspaziergang“ auf den Shetlands in bester Erinnerung. Wir würden es also irgendwie schaffen.

-30°C

Anfang Februar war es dann soweit: Es ging los! Zuerst nach Helsinki, dann weiter nach Ivalo. Von dort aus weiter nach Inari, ganz tief in den Norden Finnlands, das GPS zeigte 69° Nord an. Der Polarkreis liegt auf 67° Nord, Hamburg auf 53° – wir waren also verdammt weit oben. Der Plan war von Inari aus irgendwie weiter nach Lemmenjoki, einem kleinen Dorf, ca. 40km weiter süd-westlich. Und von dort aus irgendwie weiter nach Enontekiö, zu unserem Abflugflughafen, 150km durch die Einsamkeit.

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Leider sind wir an dem Wörtchen „Irgendwie“ gescheitert. Es fing damit an das wir drei Tage gebraucht haben für die 40km nach Lemmenjoki, geplant war einer. Es ging weiter mit Pannen und Pech, das Zelt ging kaputt, meine Isomatte, meine Kopflampe. Der Schnee war völlig unbegehbar mit unseren Schneeschuhen und gespurte Wege, wie sie in den Karten eingezeichnet waren, waren auch nicht vorhanden. Meine Schuhe waren uneignet, haben sich mit Wasser vollgesogen und in Eiswürfeln verwandelt. Daraus resultierten dann zwei eingefrorene Zehen, offene Fersen,… halt alles das was man zum Wandern nicht haben will.

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Die Entscheidung alle Pläne auf den Haufen zu werfen und zurück zum Anfang zu gehen hat weh getan. Verdammt arg, wenn man ehrlich ist. Aber im Nachhinein war es das Beste was wir tun konnten. Wir haben innerhalb von zwei, drei Tagen also alles neu geplant. Dabei geholfen hat uns ein Café mit offenem WLAN und vor allem ein junger, finnischer Reiseführer der uns seinen Laptop zur Verfügung gestellt hat.

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Mit den frischen GPS-Koordinaten aller möglichen Hütten der Umgebung, frischen Ideen und vor allem einem neuen Zeitplan konnten wir dann unser Abenteuer fortsetzen. Und das auf eine bisher ungekannte, entspannte Art und Weise. Die Tage wurden nun ruhig und strukturiert: Aufstehen, Frühstücken, Holz hacken, dem Sonnenaufgang zusschauen, bei Sonnenschein die Gegend erkunden, Abendessen, den Sonnenuntergang geniesen und die Polarlichter geniesen. Zwischendrinnen immer wieder die Hütten und Orte gewechselt, eine Busfahrt nach Rovaniemi bewältigt. Bei Couchsurfern geschlafen, mit anderen Studenten geredet und gelacht. Nachts gewandert, die eigene Grenzen ausgelotet. Iglus gebaut, Feuer im Schnee gemacht,… Schlicht: Ein Abenteuer genossen!

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Zum Schluss hat uns die Reise komplett durch Lappland geführt; zu tollen Menschen, zu tollen Hütten, einzigartigen Orten, in abgeschiedene Wildnis und vor allem hat sie uns zu uns selbst geführt. Zwei Wochen in der absoluten Stille des Schnees und der Kälte, zwei Wochen lange Abende am Ofen bei Kerzenschein, zwei Wochen aber auch kräftezehrende Wanderungen durch den Schnee – all das führt dazu den ganzen Alltagsquatsch ausblenden zu können.

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Bleibt nur noch die Frage wohin es als Nächstes geht.
Und wer mitkommen mag! 🙂

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Immer wieder nur „WOW!!!“ wenn ich lese, was ihr treibt!

    Respekt, „mein Kleiner“ 😀

    PS: Ihr hattet keine Räder dabei, oder? 😛

  2. nahdran sagt:

    Ich hab ja lange genug davon geträumt so nen Quatsch zu machen… 🙂
    Und jetzt wo ich nicht mehr ganz so klein bin geht das ja zum Glück.

    P.s.: Nur den Schlitten… aber lass mich mich kombinieren! Vorgestern erst hab ich die Geschichte wieder erzählen dürfen 🙂

  3. Nikolaas Thum sagt:

    Ich liebe deine Bilder!!

  4. michaela sagt:

    Krass. Und sehr cool!

  5. Das sind ein paar hammer Fotos. Einfach WOW. Echtes Talent 🙂

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