Die Inseln der Papageientaucher.

Wohin muss man fahren wenn man einen Ort in Europa sucht, von dem jeder schon mal gehört hat, den jeder kennt, aber den kaum jemand besucht hat? Wohin muss es gehen, wenn man in Europa auf der Suche nach Natur, Einsamkeit und Ruhe ist? Viele Orte bleiben da nicht, Jannes und ich haben uns für einen ganz speziellen entschieden:
Die Shetlandinseln!

Berühmt für Ponys, Hunderassen, Bekleidung und so vieles mehr, stellt diese Inselgruppe das nördliche Ende von Großbritannien dar, teilweise sogar nördlicher als Teile Grönlands. Die mehr als hundert Inseln beherbergen nur rund 22.000 Menschen – das entspricht etwa 15 Einwohnern pro Quadratkilometer, 15-mal weniger als Deutschland!

Weitab von allen üblichen Reiserouten sind die Inseln nur unter erheblichem zeitlichem Aufwand zu erreichen. Von Hamburg aus erwarteten uns fast zwei Tage mit Flug und Fähre, eine ungewohnte Entschleunigung, bedenkt man, dass kaum mehr als 1000km Luftlinie zwischen uns und unserem Ziel lagen. Erwähnt man hier noch, das die durchschnittliche Temperatur im August bei etwa 13°C liegt (und das auch nur dank dem Golfstrom!) wird schnell klar, warum nur wenige diesen Ort aufsuchen um dort Urlaub zu machen.
Und dennoch ist genau das einer der vielen Reize die für uns von diesen Inseln ausgingen. Die Shetlands sind kein Ort um zwischendurch mal vorbeizuschauen, sie verlangen vielmehr von jedem Besucher eine gute Vorbereitung und Respekt. Aber jeder, der diesen rauen Bedingungen trotzt, wird umfassend belohnt mit Eindrücken, die man so wohl nirgendwo sonst in Europa sammeln kann.

Jannes und meine Eindrücke, vor allem jene in Form von Bildern, finden sich nun hier zusammengefasst. Vielleicht sind sie für den einen oder anderen auch eine Einladung diese Inseln kennenzulernen – sie sind auf jeden Fall die Reise wert!

Landschaft

Bressay Lighthouse (Bressay)
Altes Boot im Hafen von Walls
„Da Noup“ (Foula)
Die beiden (scheinbar) wichtigsten Ort auf Yell
Auch Heide kann zum Hindernis werden, wenn sie nur hoch genug ist
Sonnenuntergang auf Unst
Der nördlichste Punkt unserer Reise – Muckle Flugga (Unst)
Leicht zu erkennen, zu welchem Land die Shetlands gehören (Mainland)
Typisches „Crofter’s House“ vor typischer Landschaft – typisch Shetland!
Getrockneter Fisch war früher ein wichtiges Nahrungsmittel auf den Shetlands
Atlantikküste bei Eshaness (Mainland, Northmavine)
Eshaness Lighthouse (Mainland, Northmavine)

Tiere und Natur

Ein Great Skua (dt.: große Raubmöve) beobachetet uns angriffslustig...
Ein Great Skua (dt.: große Raubmöve) beobachetet uns angriffslustig…
… und geht dann zum Angriff über…
…ziemlich erbarmungslos…
… kommen dann auch noch „einige“ weitere ihrer Art zur Hilfe.
Der Grund für den Angriff
Eine weitere Gefahr ging von den Fulmars (dt. Eissturmvogel) aus – aber nicht von den erwachsenen, höchst eleganten Vögeln…
… sondern von den allgegenwärtigen, fluffigen Jungvögeln, die…
…sehr drastisch klar machten dass „fluffig“ nicht gleich „süß“ heißen muss.
Ebenfalls regelmäßig schimpfend über unseren Köpfen: Arctic Terns (dt.: Küstenseeschwalbe)
Und dann wären da noch die Papageientaucher – Vögel die geradewegs einem Comic entsprungen zu sein scheinen.
Links: Puffin am rumwatscheln – Rechts: Die Vögel brüten in Höhlen, die sie auch gerne Kaninchen streitig machen.
Sie kommen nur für wenige Monate im Sommer an Land um an steilen Küsten in großen Kolonien zu brüten.
Häufig flattern die Vögel nur mit den Flügeln, scheinbar eine Form der Kommunikation.
Papageientaucher sind bis spät in den Abend aktiv.
Neben all den Vögeln gab es auch reichlich andere Tiere – hier ein Seehund.
Den Robben konnte man durchaus eine gewisse Neugierde unterstellen
Was wären die Shetlands ohne Shetlandponies?
Manche waren sogar bereit sich streicheln zu lassen
Andere leben in quasi wilden Herden – hier auf Foula
Außerdem gab es natürlich Meeresbewohner in klein…
… und groß.
Dank des Sommers blühten Pflanzen aller Art. Hier: Glocken-Heide
Schmalblättriges Wollgras
Links: Geflecktes Knabenkraut – Rechts: Grasnelken


Die Reise mit der New Advance

Von allen unseren Transportmitteln, sei es das Flugzeug, Fähren oder die Autos der vielen Leute die uns ein Stück des Weges mitgenommen haben, stach eines ganz besonders hervor: Die „New Advance“.
Hierbei handelte es sich um eine kleine Fähre, 12m lang und 4m breit, etwa die Größe eines Lastwagens, die zwischen den Inseln Mainland und Foula verkehrt. Was keinesfalls spektakulär wäre würde die Reise durch einen der vielen Fjorde oder Sounds gehen. Tut sie aber nicht.
Die Insel Foula gilt nicht nur als der abgelegenste Ort in ganz Großbritannien – sie ist es auch. Rund 30km entfernt von Mainland, der Hauptinsel der Shetlands, muss man mehrere Stunden dem Atlantik mit seinen tiefen, grauen, windgepeitschten Wassern trotzen. Zu Versorgung der etwa 30 Einwohner stehen Kleinflugzeuge und eben die „New Adance“ zur Verfügung. Die Fähre fährt alle drei Tage, wenn sie denn überhaupt fährt. Passagiere, Touristen? Fehlanzeige. Einkaufsmöglichkeiten, Handyempfang? Fehlanzeige. Auf die Frage hin, wie viele Leute denn die Fähre benutzen würden, kam diese Antwort:

“The shetland ferries transported over one million people in 2008 – we carried 27 of them”
Crewmitglied der “New Advance”

Entsprechend groß war die Verwunderung der Crew als nicht nur wir am Steg standen, sondern noch ein junges Pärchen aus den Niederlanden, die auch zur Insel wollten. Oft kommt das wohl nicht vor. Wenig vertrauenserweckend war dann auch, das uns verkündet wurde, die Abfahrt verzögere sich noch um eine Stunde, man müsse noch was Wichtiges an der Steueranlage reparieren.
Die Fahrt selbst war wundervoll, beständig begleitet von faszinierenden Seevögeln die rund um das Schiff Jagd auf Fisch machten. Als wir dann in den Hafen von Foula einliefen lagen überall Seehunde in aller Seelenruhe und beobachteten uns neugierig. Wir waren wirklich angekommen, am Rande der Welt!
Warum eigentlich „New Advance“? Ganz einfach: Die „Advance“ ist 1968 in einem Sturm verschwunden. Mit all ihren Passagieren.

„Testfahrt“ der reparierten Steueranlage im Hafen von Walls
Links: Gemütlichkeit zwischen Transportgütern – Rechts: Wichtige Hinweise
Der Passagierraum bot gewissen Schutz vor dem eiskalten Wind
Uns war eine verhältnismäßig ruhige Überfahrt beschert
Foula, das Ziel unserer Reise – auch bei der Abfahrt noch in Wolken gehüllt
Die Kasse lässt gut auf die Häufigkeit von Passagieren schließen

Die Kunst des Zeltens

Zelten ist für mich die schönste Form des Verreisens, nirgend wie sonst kommt man so direkt in den Genuss dessen, was man gerade bereist. Die Wahl des Zeltplatzes und auch die Art und Weise wie man seine Zeit dort verlebt beeinflusst die Stimmung maßgeblich. Auf den Shetlands wird es einem einfach gemacht: Jeder Zeltplatz scheint schöner als der nächste und bietet neue Highlights. Klippen mit grandioser Aussicht gefällig? Kein Problem. Gurgelnde Gebirgsbäche? Auch kein Problem. Morgens von Ponys geweckt werden? Auch inklusive… 😉

Auf Yell erweckten wir mit Hilfe von Treibholz die Feuerstelle eines alten „Crofter’s House“ wieder zu Leben.
Kochen am Lagerfeuer spart nicht nur Gas – es ist aber auch einfach schön!
Leider wird dadurch das Abwaschen umso schwerer
Guten Morgen 🙂 Wir sind nicht alleine hier.
Zelten am Strand von Burrafirth
Das Wetter zwang auch manchmal im Zelt zu Kochen
Selbst um 22:30 ist die Sonne noch zu sehen – in Hamburg ist sie bereits vor drei Stunden untergegangen.
Lagerfeuer auf Foula
Nachts am Lagerfeuer

Schattenseiten

Neben all den schönen, tollen Dingen die wir auf den Insel sehen und erleben durften, gab es dennoch etwas das fast überall nachdenklich gestimmt hat: Die Umweltverschmutzung. Obwohl nur rund 22.000 Menschen auf den Shetlands selbst leben und sich im Umkreis von vielen hundert Kilometern kein Festland findet, wird man doch ständig mit unserem, menschengemachten Müll konfrontiert. Vor allem Netzen und Bojen, Relikte der Fischindustrie, aber auch große Mengen Styropor und Flaschen jeder Art finden sich an nahezu jedem Meter Küste.

Als wir dann an einem Strand, zwischen halb verkohlten Resten des scheinbaren Versuchs all den Müll zu verbrennen, das Skelett eines Wals fanden, ein Tier das wie kaum ein anderes ein Symbol für die zerstörerische Macht des Menschen in der Natur ist, machte sich ein Gefühl tiefer Traurigkeit breit.
Was für einen Planeten übergeben wir da unseren folgenden Generationen nur?

(Ach und der Schottlandbericht: Der kommt noch, es wird weiter daran gearbeitet – versprochen!)

11 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sven sagt:

    Awesome! Weiter so!

  2. Tim Weingart sagt:

    Deine Fotos (un au bestimmt die von Jannes;)) sind einfach der Hammer 🙂 Ist immerwieder toll dein Blog hier zu lesen un die Pics anzuschaun 😀 Grüße aus der schwäbischen Heimat 😉

  3. Timm P. sagt:

    tolle reise, bilder, begegnungen. man könnte neidisch werden.
    gegen die angreifenden vögel hilft „fast“ immer ein stock oder ähnliches, den man über den kopf hält, jedenfalls funktionierte dies bei uns auf spitzbergen gegen angriffslustige küstenseeschwalben.
    die greifen meistens den höchsten punkt an.
    beste grüße an JANNES von timm

  4. nahdran sagt:

    Du musst mal Jannes (und/oder mir) erklären, wie du nach Spitzbergen gekommen bist, mich würde das brennend interessieren! Hattet ihr keine Probleme mit Eisbären? 😉

    DIe Küstenseeschwalben waren bei uns zum Glück kein Problem, die haben immer nur über unseren Köpfen laut unsere Anwesenheit beklagt…

  5. xosofox sagt:

    *neid*
    Grüße aus dem Büro :-/

  6. nahdran sagt:

    … keine Angst, ich verbringe auch wieder meine Zeit an der Uni… :-/

  7. Arno Schürmann sagt:

    Hallo,

    die Bilder der Papageientaucher sind einfach nur traumhaft – wie alle anderen natürlich auch.
    Toller Bericht. Ich bin auf der Suche nach Papageientaucher hier gelandet 🙂

  8. nahdran sagt:

    Hallo Arno,

    freut mich sehr, das zu lesen 🙂 Schön auch zu erfahren, wie man auf den Blog stoßen kann.

    Gruß
    Jan

  9. Jan sagt:

    Hallo,

    By coincidence found your blog. Nice !

    (I am a frequent Shetland traveler, been to Fair Isle twice, now thinking of going on a hiking trip to Foula and Papa Stour.)

    What I would like to ask, which tent is it you’re using?

    tnx from Belgium.

    Jan

  10. nahdran sagt:

    Hey Jan,

    it’s called „High Peak Pharrak 3“ and was in stock at some German retailers (e.g. SportCheck, Karstadt Sports). For its price it is worth the money, but… well… it isn’t a Hilleberg 😉

    Foula is a great place to visit – I can only recommend this small Island; Papa Stour is still on my list, I would love to go there 🙂

  11. Ines sagt:

    Dieses Jahr gehts wieder auf die Shetlands. Mich würde interessieren, was Ihr auf Unst und Yell besichtigt habt. Denn dies ist auch geplant

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